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Elisabeth von Thüringen, ein mittelalterlicher Engel der Armen.
Als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. wurde Elisabeth im Jahre 1207 geboren. Schon im Alter von vier Jahren verlobte ihr Vater sie mit Hermann, dem ältesten Sohn des Landgrafen Hermann von Thüringen. Gleich nach der Verlobung brachte man das Mädchen auf die Wartburg. 1217 verstarb der Landgraf, ein Jahr zuvor war bereits sein Sohn Hermann, der Verlobte Elisabeths gestorben. So war das Schicksal des Mädchens ganz ungewiß. Noch dazu war Elisabeth seit dem Tod ihrer Mutter ohne Rückhalt in der Heimat. Wohl wurde sie gemeinsam mit den gräflichen Kindern am Hof erzogen, aber längst war sie nicht mehr von allen gerne gesehen. Elisabeth aber erfreute sich der unverkennbaren Zuneigung ihres Ziehbruders Ludwig, der nach dem Tod seines älteren Bruders die Nachfolge als Landesherr anzutreten hatte. 1221 heirateten die beiden. Einer kurzen und glücklichen Ehe entstammten drei Kinder.
Die tiefe Frömmigkeit Ludwigs und Elisabeths entsprach dem Zeitgeist. Doch Elisabeths Glaube geriet mehr und mehr mit ihrer Rolle als Fürstin in Konflikt. Ihr persönlicher Reichtum unter all der Armut belastete sie. Um den Leiden Christi näher zu sein, ließ sich Elisabeth sogar von ihren Dienerinnen geißeln. Auf Anregung ihres Beichtvaters Konrad von Marburg, der unbarmherzig gegen alles vorging, was er für Ketzerei hielt, ließ sie in der Nähe der Wartburg ein Hospital bauen. Doch währen der Hungersnot von 1226 ging ihre Wohltätigkeit an die Substanz der landgräflichen Kassen. Im selben Jahr brach ihr Mann Ludwig auf, um am Kreuzzug Friedrichs II. teilzunehmen. 1227 erkrankte Ludwig in Otranto in Apulien und starb am Fieber.
Nach Ludwigs Tod war Elisabeth nun mehr eine Angehörige des landgräflichen Hofstaates. Nicht bereit den Wünschen ihrer Familie nachzukommen, die plante, sie erneut zu verheiraten, zog die 21-jährige Elisabeth 1228 nach Marburg, an die Westgrenze der Landgrafschaft. Sie bezog ein kleines Fachwerkhaus, baute auch in Marburg ein Hospital, wo sie selbst die schwersten und unangenehmsten Arbeiten auf sich nahm. Bisher war die Krankenpflege aus Gründen der Schicklichkeit, wie man meinte, hauptsächlich den Männern vorbehalten. Auch hier ging Elisabeth neue Wege und gab ein Beispiel für viele Jahrhunderte. In ihrer Selbstentsagung konsequent, entließ sie ihre Dienerinnen, die sie teilweise seit ihren Kindertagen begleitet hatten. Sie behielt nur einen Laienbruder, eine Laienschwester und eine taube adelige Witwe. Konrad war es, der schließlich auch von ihr verlangte, daß sie sich sogar von ihren Kindern löse, dem letzten Gut, das ihr verblieben war.
Den Betrieb ihres Hospitals finanzierte Elisabeth aus ihrem Witwengut. Unterstützt wurde sie wiederum von Beichtvater Konrad, dem, zumindest nach eigener Auffassung die Aufgabe zukam, die Freigebigkeit Elisabeths in vernünftigen Grenzen zu halten. Daß Konrad dabei “schlagende” Argumente ins Feld führte, ist übrigens durchaus wörtlich zu nehmen. Nach seinen Vorstellungen bewies sich der christliche Gehorsam am sinnfälligsten in einer vollkommenen Unterwerfung unter einen Menschen, der den Willen Gottes auf Erden vertritt. Das Leben im Dienste der Mildtätigkeit verzehrte in wenigen Jahren die Kräfte der jungen Frau. Elisabeth starb, gerade 24 Jahre alt, am 17. November 1231. Vier Jahre später erfolge die Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. |